Die Kurzlebigkeit des Steuerrechtes

 

 

Sie dürfte leicht irre werden. Es ist ihr wie allen denen, die sich aus Liebhaberei mit solchen Dingen beschäftigen, mehr daran gelegen, dass sie etwas tue, als dass etwas getan werde. Man tastet an der Natur, man hat Vorliebe für dieses oder jenes Plätzchen; man wagt nicht, dieses oder jenes Hindernis wegzuräumen, man ist nicht kühn genug, etwas aufzuopfern; man kann sich voraus nicht vorstellen, was entstehen soll, man probiert, es gerät, es missrät, man verändert, verändert vielleicht, was man lassen sollte, lässt, was man verändern sollte, und so bleibt es zuletzt immer ein Stückwerk, das gefällt und anregt, aber nicht befriedigt.

 

 Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

 

Steuerrecht und Steuerpolitik sind immer kurzlebiger und wechselhafter geworden, dabei von jeweiligen Tagesereignissen abhängig. Während vor Jahrzehnten Steuerveränderungen und -reformen von langer Hand vorbereitet und systematisch aufgearbeitet wurden, kennen wir inzwischen nur noch "Jahressteuergesetze" mit entsprechend geringer Gültigkeitsdauer.

Johann Wolfgang von Goethe hat mit dem vorstehenden Zitat schon rund 200 Jahren in einem anderen Zusammenhang trefflich beschrieben, was auf die Gesamtheit der Steuerpolitiker in heutiger Zeit großartig zutrifft.